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Lyrik

Alles hat seine Zeit
Winter und Sommer,
Herbst und Winter,
Jugend und Alter,
Wirken und Ruhe.
(Joh. Gottfried von Herder)
Fremdschöner Garten
In Blätterhänden Nischen
Nester Draht phantasiert
ins Gehölz Stein im Stamm
blaue Inseln knospen alles wurzelt
treibt und reift der Teich häutet sich
zum Koi das Leben zu neuer Möglichkeit
Augenkonzentrat
Keinen Gingko sah ich
so weiß im Rot
unter den Blick gehäutet
Glut und Abstinenz
als Idee auf der Scheide
Haus der Malerin
Die Treppe blau
geflutet ich halte mich
am Geländer raumlos
im Rohzustand des Seins
Rot
Auf Leinwand gefirnisst die Liebe
steht still ein Stoff
narbig aufgeworfen rot
ist die Ewigkeit dieser Augenblick
dauert rot
Welche Energie
wächst mir zu
aus dem Blautanz
dem embryonalen Rot
dem weißen Jetzt
Brückengänge
Im Atelier das Klavier spielt
weiß spielt golden im Unendlichen
berührt der Ton den Ton
der Pinsel die Leinwand im Endlichen
färbt die Malerin den Grund mit Augen
Monika Petsos, Herscheid
aus "Fenster mit Himmel" (Gedichtband erschienen
im neuen Literaturkontor, Autorenedition)



Meine Lebensweisheit

Welt und ich

Im großen ungeheuren Ozeane
Willst du, der Tropfe, dich in dich verschließen?
So wirst du nie zur Perl' zusammenschießen,
Wie dich auch Fluten schütteln und Orkane!

Nein! öffne deine innersten Organe
Und mische dich im Leiden und Genießen
Mit allen Strömen, die vorüberfließen:
Dann dienst du dir und dienst dem höchsten Plane.

Und fürchte nicht, so in die Welt versunken,
Dich selbst und dein Ur-Eignes zu verlieren:
Der Weg zu dir führt eben durch das Ganze!

Erst, wenn du kühn von jedem Wein getrunken,
Wirst du die Kraft im tiefsten Innern spüren,
Die jedem Sturm zu stehn vermag im Tanze!

Friedrich Hebbel